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St. Johannis in Nieblum auf Föhr - ein Besuch im Friesendom

St. Johannis in Nieblum - Epitaph im FriesendomEpitaph im Friesendom in Nieblum (Foto: www.nordseetourismus.de)Die drei mittelalterlichen Kirchen auf Föhr - St. Laurentii in Süderende, Friesendom St. Johannis in Nieblum und St. Nicolai in Boldixum - sind immer ein lohnendes Ziel. In ihren Innenräumen finden wir einzigartige Kunstwerke und Ausstattungsstücke wie Altarbilder, Schnitzereien oder Taufsteine. Auch ein Rundgang über die Friedhöfe mit den "sprechenden" Grabsteinen ist lohnenswert. Denn diese erzählen oft vom aufregenden Leben der Föhrer Walfänger und Kapitäne. Auf dem Friedhof der St. Laurentii-Kirche in Süderende steht der berühmteste Grabstein von allen - der des "Glücklichen Matthias", der ein besonders erfolgreicher Walfänger war.

Die größte Kirche auf Föhr ist die St. Johannis-Kirche in Nieblum – sie wird auch Friesendom genannt. Ältestes und wertvollstes Kunstwerk der Kirche ist die Taufe aus Granit, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Sehenswert sind ußerdem der prächtige Schnitzaltar aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts, die geschnitzte und bemalte Holzskulptur von Johannes dem Täufer (15. Jahrhundert) und die Kanzel aus dem Jahr 1618.

Ein ganz besonderes Kunstwerk der Innenausstattung der Kirche St. Johannis in Nieblum auf Föhr ist ein Epitaph, das an der Ostwand im südlichen Querschiff angebracht ist. Hierbei handelt es sich um ein von Schnitzereien umgebenes Gemälde. Und wie so oft in den Inselkirchen rankt sich um sich dieses Gemälde auch eine besondere Geschichte.

Große Landgebiete gingen nach der verheerenden Flut von 1634 verloren. Deiche waren beschädigt, viel Land musste aufgegeben werden, oder es war versalzt bzw. nicht mehr zu schützen. In der Folge war es dann auch nicht bewohnt und wurde ausgedeicht. In der großen Flut sollen lt. entsprechender Quellen insgesamt 18 Kirchen verloren gegangen sein. Die Kirchen wurden nach der Flut im Zustand der Beschädigung neu inventarisiert. Man stellte fest, was noch vorhanden war. Baumaterial wurde verkauft und in die Region exportiert. Steine und Dachziegel waren wertvolles Baumaterial, auch für den Bau neuer Kirchen. Natürlich fand auch das Inventar Abnehmer.

Angeblich kam so auch das wertvolle Epitaph in die Nieblumer Kirche. Stammen soll es aus der untergeganenen Kirche in Königsbüll. So erzählt es der Föhrer Kirchenführer Nickels Olufs. Als in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1634 die Deiche an der Küste brachen, wurden weite Teile der Küste von dieser verheerenden Flut zerstört, die Zahl der Todesopfer schwankt, dürfte aber in die Tausende gehen. Am schwersten betroffen war die Insel Strand. Dort stand die Kirche von Königsbüll. Heute liegt diese Gegend zwischen dem Festland, Nordstrand, der Insel Pellworm und den Halligen.

Dass dieses Epitaph in der Flutkatastrophe aber tatsächlich unterging und im Wasser schwamm, ist eher unwahrscheinlich, denn Bild und Rahmen sind außergewöhnlich gut erhalten. Die gemalte Darstellung zeigt die Verkündigung Marias und die Anbetung des Hirten zusammen mit der Stifterfamilie, die in feinen spanischen Kostümen am unteren Bildrand zu sehen sind. Wahrscheinlich ist, dass es auf geordnetem Weg nach Föhr kam, denn ein Nachfahre der Stifterfamilie wurde damals Pastor in Nieblum. Als das Epitaph im Jahre 1613 angefertigt wurde, herrschte an der Küste große Armut. Nur sehr wenige Familien konnten sich so etwas leisten.

Besichtigung Friesendom:

St. Johannis ist täglich von 9.00 - 17.00 Uhr zur Besichtigung geöffnet, falls nicht gerade ein Gottesdienst oder ein Konzert stattfindet. Alle wichtigen Informationen finden Sie auf der Internetseite zum Friesendom unter friesendom.de.

Wer mehr über die Grabsteine und das Leben der Seefahrer wissen möchte, kann an einer Kirchen- und Friedhofsführung teilnehmen, die von März bis November in der Nieblumer Kirche angeboten wird. Informationen hierzu gibt es im Veranstaltungskalender der Föhr Tourismus GmbH: www.foehr.de/veranstaltungskalender

 

Wie weit ist es vom Stellplatz zum Friesendom?

Die Entfernung vom Wohnmobilstellplatz in Utersum zur Attraktion "Friesendom" beträgt rund sieben Kilometer. Von Utersum nach Nieblum fahren öffentliche Verkehrsmittel. Busfahrplan als Download